Interessantes Basiswissen über Zinsen

Vieles deutet darauf hin, dass die Geldanlage mit Zinsen, schon seit Menschen Handelsgeschäfte miteinander betreiben existiert. Über Jahrhunderte hinweg versuchten zudem Gesetzgeber in diversen Ländern, die Höhe dieser Zinsen nach oben einzugrenzen. So wurden beispielsweise im Codex Hammurabi, der um 1.800 v. Chr. in der Ära des babylonischen Königs gleichen Namens entstand, Maximalzinssätze festgelegt. Auch im klassischen Griechenland und dem Römischen Reich gab es gesetzliche Regelungen zum Zins, um Wucherzinsen zu verhinderten. Das heutzutage in Deutschland maßgebliche BGB sieht hingegen mit wenigen Ausnahmen (Basiszinsen, Verzugszinsen, Prozesszinsen) eine freie Zinsentwicklung nach den Gesetzen von Angebot und Nachfrage vor.

Die Definition

Nach der gängigen Definition sind Zinsen der Preis für vorübergehend überlassenes Geldkapital. Darüber hinaus gibt es auch Zinsen auf Sachkapital; dazu gehören die Miet- und Pachtzinsen sowie Erbbauzinsen. Wir widmen uns im nachfolgenden Text ausschließlich den Aufwendungen für und den Erträgen auf Geldkapital(z.B. durch das Festgeld und Tagesgeld).

Unterschiedliche Soll- und Habenzinssätze

Unterscheidungen sind nach unterschiedlichsten Gesichtspunkten möglich. Bei den Banken wird unter anderem von Aktiv- und Passivzinsen gesprochen; damit sind Sollzinsen (Aktiv) und Habenzinsen (Passiv) gemeint, die am Geld- oder Kapitalmarkt ermittelt werden. Private Verbraucher sprechen eher von Kredit- und Guthabenzinsen. Innerhalb dieser Gruppe wird wiederum unterschieden zwischen kurzfristigen und langfristigen Zinsen.

Zu den bekanntesten kurzfristigen Zinssätzen zählen

  • der Leitzinssatz (Refinanzierungssatz der Banken bei der europäischen Zentralbank)
  • der EURIBOR (Euro Interbank Offered Rate)
  • der LIBOR (London Interbank Offered Rate)
  • der EONIA (Euro OverNight Index Average).

An diese Sätze lehnen sich die Preise viele kurzfristiger Produkte wie

  • Tagesgeld
  • Festgeld
  • Sparzinsen
  • Dispozinsen
  • Überziehungszinsen
  • Ratenkreditzinsen

an. Allerdings besteht bei keiner der vorgenannten Zinsen eine gesetzliche Pflicht zur Koppelung an einen der genannten Referenzzinssätze. So konnte es beispielsweise geschehen, dass sich im Zuge der Finanzkrise in 2008 begonnenen und bis heute andauernden Zinsverfalls insbesondere die Zinssätze für Dispo-und Überziehungskredite immer weiter vom Leitzinssatz entfernt haben. Erst seit Juni 2012 müssen die Dispozinsen unter bestimmten Voraussetzungen an einen Referenzzinssatz gekoppelt werden. Reguliert werden diese von der europäischen Zentralbank, die mittels des Leitzinses die Geldanlage reguliert um beispielweise Banken davor abzuhalten Geldreserven nicht zu investieren. Doch bei allen anderen Zinsarten besteht nach wie vor eine fast unbegrenzte Vertragsfreiheit, die nur bei Ratenkrediten durch den § 138 BGB (im Volksmund: Wucherparagraf) etwas eingegrenzt wird. Tastsächlich sieht das BGB lediglich ein Verbot von sittenwidrigen Zinssätzen aus, von denen nur gesprochen werden kann, wenn diverse Umstände zusammenkommen.

Zu den wichtigsten Bezugsgrößen im Bereich der Langfristzinsen gehören:

  • Renditen für Pfandbriefe
  • Renditen für langfristige Anleihen

Durch diese Renditen, die an den Kapitalmärkten täglich für Papiere mit unterschiedlichsten Laufzeiten durch Angebot und Nachfrage ermittelt werden, werden die Zinsen für langfristige Kredite bestimmt, die unter der Bezeichnung

  • Immobilienkredite
  • Baudarlehen
  • Baufinanzierungen

vertrieben werden. Zwar gibt es keine gesetzliche Vorgabe über die Höhe des möglichen Zinsunterschiedes zwischen Anleiherendite und Kredit- oder Darlehenszins. Doch der harte Wettbewerb der Banken, in dem die Institute bei den Langfristkrediten stehen, sorgt für eine jeweils sehr zeitnahe Anpassung Langfristzinsen an veränderte Anleiherenditen. Wer sich die Entwicklung der Langfristzinsen während der vergangenen 15 Jahre anschaut, wird zudem feststellen, dass die Zinskurve in etwa der Entwicklung des Leitzinssatzes folgt. Dennoch besteht kein direkter Zusammenhang. Das wird am deutlichsten durch die zwar seltene, aber durchaus auch in Deutschland schon beobachtete inverse Zinsstruktur, bei der die Langfristzinsen aufgrund zukünftig erwarteter negativer Wirtschaftsaussichten und damit verbundenen Zinssenkungen niedriger sind als die Kurzfristzinsen.

Unterschiedliche Zinsvereinbarungen

Eine weitere wichtige Unterscheidungsgröße ist sowohl bei Aktiv- als auch bei Passivzinsen die Dauer der Zinsfestschreibung. Unterschieden werden bei den Anlagen

    • Variable Habenzinssätze beispielsweise für Spareinlagen und Tagesgelder
    • Für einen bestimmten Zeitraum festgeschriebene Habenzinssätze beispielsweise für Festgelder und für Anleihen

und bei den Krediten

  • Variable Sollzinssätze (beispielsweise beim Dispokredit)
  • Gebundene Sollzinssätze (bei den Ratenkrediten und Baudarlehen)

Grundsätzlich gilt, dass Anleger sich in einer Niedrigzinsphase eher für einen variablen Zinssatz, Kreditnehmer eher für einen auf möglichst lange Zeit festgeschriebenen gebundenen Sollzinssatz entscheiden sollten. Bei jeder Zinsbindung gilt, dass sie grundsätzlich für beide Seiten verbindlich ist. Eine auf bestimmte Zeit zinsgesicherte Anlage muss das anlegende Institut nicht vor Ende der Zinsfestschreibung auflösen; nur in Ausnahmefällen ist das gegen Zahlung von Vorschusszinsen möglich. Sofern ein Ratenkredit oder ein Immobilienkredit während der Zinsfestschreibung außerplanmäßig zurückgezahlt wird, fallen in der Regel Vorfälligkeitszinsen an. Anderslautende Vereinbarungen sind allerdings möglich.