Refinanzierungssatz Definition

Eine Refinanzierungssatz-Definition bezeichnet generell jenen Zinssatz, den eine Zentralbank einer Refinanzierung der Geschäftsbanken zu Grunde legt. Es bezeichnet also den Zins, den Banken für Kredite bei der Zentralbank zahlen. Insofern kann man den Refinanzierungssatz auch als Refinanzierungszinssatz bezeichnen. Er bildet demnach die Basis für Kredite, die von Banken ausgegeben werden. Ein Refinanzierungssatz der Zentralbank entspricht also dem von der Europäischen Zentralbank (EZB) ausgegeben Leitzins. Ausserhalb von Europa gelten allerdings weitere Refinanzierungssätze, die nun im Weiteren innerhalb einer Refinanzierungssatz Definition vorgestellt werden:

Libor

Der wichtigste Refinanzierungssatz am Euro-Geldmarkt ist der Libor (London interbank offered rate), der in London an jedem Handelstag um 11 Uhr britischer Zeit von der BBA (British Bankers Association) in Zusammenarbeit mit der Nachrichtenagentur Telerate berechnet wird. Der Libor entspricht dem Durchschnittszinssatz aus den Brief-Sätzen („offered rates“) mehrerer internationaler Geschäftsbanken am Finanzplatz London, zu denen diese anderen Geschäftsbanken Euro-Termingeld anbieten.

Die Berechnung des Libor wird als „Libor-Fixing“ bezeichnet und verläuft ähnlich wie das „Fibor-Fixing“. Unterschiede bestehen jedoch zum einen in der Anzahl der einbezogenen Geschäftsbanken, beim Libor-Fixing sind dies, je nach dem, für welche Währung „gefixt“ wird, acht bzw. 16 beim Fibor-Fixing hingegen 19 Geschäftsbanken. Zum anderen liegen die Unterschiede in der Anzahl der vor dem Fixing gestrichenen Sätze, beim Libor sind dies die vier höchsten und niedrigsten, beim Fibor hingegen die zwei höchsten und niedrigsten Sätze.
Libor-Sätze dienen unter anderem als Refinanzierungszinssätze für Certificates of Deposit (Euro-CDs), Commercial Papers (Euro-CPs) und Floating Rate Notes und zudem als Underlying für Derivate.

Libid

Der Libid (London interbank bid rate) ist ein Durchschnittssatz, der aus den Geld-Sätzen („bid rates“) bedeutender Geschäftsbanken am Finanzplatz London ermittelt wird. Genau wie Libor werden auch Libid-Sätze für verschiedene Laufzeiten und Euro-Währungen gebildet und anschließend veröffentlicht. Libid-Sätze liegen verständlicherweise immer unter den jeweiligen Libor-Sätzen.

Limean

Limean ist der Mittelwert („mean“) aus Libid und Libor. Beispielsweise stellt der Limean für 1-Monats-Termingeld auf Basis der Euro-Mark den Mittelwert aus Libid und Libor des betreffenden Tages dar.

Sonstige Refinanzierungssätze

Außer dem Libor und dem Fibor existiert eine Reihe weiterer Refinanzierungssätze wie z.B.:

    • der Pibor (Paris interbank offered rate)
    • der Mibor (Madrid interbank offered rate)
    • der Luxibor (Luxemburg interbank offered rate)
    • der Helibor (Helsinki interbank offered rate)
    • der Sibor (Singapore interbank offered rate)
    • der Cibor (Copenhagen interbank offered rate)

Euribor

Mit der Einführung des Euro gingen nationale Refinanzierungssätze wie der Fibor oder Pibor unter. Denn am 4. Januar 1999 wurde erstmalig der Geldmarktrefinanzierungssatz Euribor aus den Quotierungen von zunächst 57 (nach Beitritt sämtlicher EU-Staaten zur Europäischen Währungsunion (EWU) sind es 64) Banken ermittelt, darunter 47 aus dem Gebiet der EWU. Aus denjenigen EU-Staaten, die nicht von Anfang an der Währungsunion angehören, kommen vier, aus Nicht-EU-Staaten hingegen sechs Banken. In jedem Fall handelt es sich um Häuser erster Bonität. Da auf dem Euro-Geldmarkt nicht nur EU-Banken tätig sind, sind auch sechs internationale Nicht-EU-Institute vertreten. Damit soll eine besonders hohe Repräsentativität der Euribor-Sätze für die tatsächlichen Marktverhältnisse gewährleistet werden. Von den internationalen Banken dürfen allerdings nur solche Häuser teilnehmen, die eine Niederlassung oder Tochtergesellschaft im Euro-Raum besitzen.

Der Euribor spiegelt Briefsätze („Offered Rates“) für alle „glatten“ Laufzeiten von einem Monat bis hin zu zwölf Monaten wider. An sämtlichen Öffnungstagen des europaweiten Zahlungsverkehrsnetzwerkes Target werden aus den Quotierungen ausgewählter Geschäftsbanken Zinssätze für alle Laufzeiten von dem Informationsanbieter Bridge Telerate (früher Dow Jones Markets) festgestellt. Daraus wird ein Durchschnittswert gebildet und anschließend über elektronische Medien verbreitet. Von den Angaben der Banken werden 15 Prozent der höchsten und 15 Prozent der niedrigsten Sätze weggelassen, damit Ausreißer das Bild nicht verfälschen können. Als Tageszeit für die Fixierung der Euribor-Sätze wird mit 11.00 Uhr Brüsseler Zeit die aktivste Handelszeit auf dem Geldmarkt gewählt. Die Banken müssen ihre Quotierungen bis ungefähr 10.30 Uhr übermittelt haben. Die aus den Nennungen ermittelten Euribor-Sätze notieren mit drei Nachkommastellen. Für den Tagesgeldmarkt wird von der Europäischen Zentralbank (EZB), quasi parallel zum Euribor, ein eigener Refinanzierungszinssatz bestimmt. An der Berechnung ist die EZB besonders stark beteiligt, da der Satz für Tagesgeld einen entscheidenden Ansatzpunkt für ihre geldpolitischen Aktionen bildet.

Eonia

Sämtliche am Euribor beteiligten Institute melden der EZB an jedem Handelstag ihre Tagesgeldumsätze und die dabei jeweils vereinbarten Zinssätze. Daraus ermittelt nun die EZB einen Refinanzierungssatz mit dem Namen Eonia (Euro Overnight Index Average), der am Tag nach seiner Fixierung veröffentlicht wird.

Während in den Euribor alle Quotierungen mit dem selben Gewicht einfließen, werden die gemeldeten Tagesgeldsätze mit ihren jeweiligen Umsätzen gewichtet. Als gewichteter Durchschnittssatz bietet der Eonia ein repräsentatives Abbild der Marktverhältnisse. Seine Aussagefähigkeit wird noch dadurch erhöht, dass, im Unterschied zum Euribor, nur solche Zinsnennungen einfließen, die in Wirklichkeit bei Geldmarktgeschäften auch vereinbart wurden. Angaben aus rein taktischen Gründen, welche die tatsächlichen Marktverhältnisse verfälscht wiedergeben, sind also nicht möglich.

Euro-Libor

In etwa zeitgleich zum Euribor wird von einigen Londoner Banken der sog. Euro-Libor als Nachfolger des ECU-Libor ermittelt. Der Euro-Libor wird jeweils um 11 Uhr Londoner Zeit, also eine Stunde später als der Euribor, bestimmt.

Euribor und Euro-Libor haben einiges gemeinsam: Beide werden aus Briefsätzen gebildet und decken denselben Laufzeitenbereich ab. Der Hauptunterschied liegt in der Zusammensetzung der am Fixing beteiligten Banken. Beim Euribor dominieren ganz eindeutig Institute aus dem EWU-Raum, während beim Euro-Libor internationale Häuser überwiegen. Damit unterstreicht der Euribor den Anspruch, im wesentlichen die Handelsaktivitäten innerhalb des Euro-Raumes abzubilden, wohingegen der Euro-Libor die Euro-Transaktionen außerhalb des EWU-Gebietes besser wiedergibt.

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