Partizipationszertifikat Definition

Begriff

„30 deutsche Top-Aktien in nur einem Wertpapier“, so preist ein bekanntes Bankhaus seine sogenannten „DAX-Zertifikate“ an. Mit dem Werbespruch trifft das Institut einer Partizipationszertifikat Definition ins Schwarze. Denn bei Anlegern, die sich für die empfohlenen Titel entscheiden, ist es in etwa so, als hätten sie „mit einem Schlag“ alle 30 DAX-Werte im Bestand. Steigt der DAX, gewinnen die Sparer. Umgekehrt machen sie Verluste, wenn das Börsenbarometer abstürzt.

Ein Beispiel: Augenblicklich notiert der DAX bei 5.500 Punkten. Wer künftig von einer positiven Indexentwicklung profitieren möchte, kauft einfach Zertifikate. Der Preis der Titel: 5.500 EUR. Legt der DAX anschließend beispielsweise um 100 Punkte zu, ist jedes Zertifikat sofort 100 EUR mehr wert. Verliert der Index hingegen 100 Punkte, fällt auch der Preis der Scheine um 100 EUR. Da die Inhaber von Indexzertifikaten buchstäblich an der Entwicklung des Börsenbarometers teilhaben („partizipieren“), nennt man die Papiere auch Indexpartizipationsscheine oder Participations. Rein rechtlich gesehen handelt es sich um Inhaberschuldverschreibungen, da sich der Emittent (=Schuldner) verpflichtet, bei Fälligkeit einen bestimmten Geldbetrag an die Zertifikatsinhaber (=Gläubiger) zurückzuzahlen.

 

Ausstattungsmerkmale der Partizipationszertifikat Definition

Wie sehr Anleger im Einzelfall von den Indexbewegungen profitieren, hängt von der jeweiligen Ausgestaltung ab. Besonders häufig anzutreffen sind Zertifikate, bei denen jede Veränderung, gemessen in Indexpunkten, eine gleich hohe Wertänderung, gemessen in EUR, zur Folge hat. Wie im Fallbeispiel ändern sich Indexstand und Zertifikatspreis dann im Verhältnis eins zu eins. Wer jedoch nicht bereit ist, für ein einzelnes Papier gleich mehrere tausend EUR auszugeben, muss auf die Vorzüge von Partizipationsscheinen nicht verzichten. Denn viele Institute bieten Anlegern die Möglichkeit, nur ein Zehntel oder Hundertstel vom Index zu kaufen. Das hat Vorteile, insbesondere für Klein- und Kleinstsparer: Ein Zertifikat kostet dann, um beim obigen Beispiel zu bleiben, statt 5.500 EUR bloß 550 oder sogar nur 55 EUR.

Zertifikate mit Laufzeitbegrenzung

Gegenüber Aktien haben Indexpartizipationsscheine den Nachteil, dass sie eine nur begrenzte Laufzeit aufweisen. Gegenwärtig liegt sie bei höchstens 10 Jahren. Am Ende erhalten die Emittenten die Papiere retour und Anleger eine Rückzahlung (=Tilgung) nach Maßgabe des aktuellen Indexstands.

Dazu folgender Fall: Im Juni 1994 begab eine bekannte Geschäftsbank DAX-Zertifikate mit dreijähriger Laufzeit (Indexstand am Emissionstag: 2.130 Punkte). Drei Jahre später lag der DAX bei 3.600 Punkten und Anleger bekamen pro Zertifikat einen gleich hohen Betrag gutgeschrieben.
Das Problem: Für viele ist die Tilgung ein unfreiwilliger Ausstieg. Denn wer sich längerfristig engagieren möchte, muss im Laufe der Zeit unter Umständen sehr häufig neue Zertifikate kaufen. Und damit sind jedesmal aufs neue Kosten, genauer Bankspesen, verbunden. Es sei denn, der Emittent erklärt sich bereit, dass Anleger gebührenfrei in ein Nachfolgezertifikat wechseln können.

Zertifikate mit Mindestauszahlung und Gewinnschranken

Wenn jemand Indexzertifikate kauft, sollte er sich sehr gründlich über die Titel informieren. Denn die starke Konkurrenz unter den Emissionshäusern hat zu einer wahren Produktvielfalt geführt. Während einige Banken Zertifikatsinhabern versprechen, bei Fälligkeit mindestens einen bestimmten Betrag auszuzahlen („Partizipationsscheine mit garantierter Mindestauszahlung“), setzen andere Institute von vornherein Gewinnschranken, sogenannte Caps. Ist letzteres der Fall, profitieren Anleger nur bis zu einem gewissen Indexniveau (z.B. 10.000 Punkte) von einem Marktanstieg. Dieser Nachteil gegenüber herkömmlichen Zertifikaten spiegelt sich freilich auch in den Preisen wieder. Denn normalerweise werden derartige Titel mit einem Abschlag gehandelt, weshalb man gelegentlich von Diskont-Zertifikaten spricht.

Zertifikate mit Währungskursrisiko

Mittlerweile gibt es Partizipationsscheine für fast alle bedeutenden in- und ausländischen Aktienindizes. Wer sein Geld etwa auf die Entwicklung am japanischen oder französischen Aktienmarkt setzen möchte, kann sich Nikkei- bzw. CAC-40-Zertifikate zulegen. Genauso findet derjenige passende Produkte, der sich ein Portfolio aus europäischen Blue-Chip-Werten zulegen will, weil es längst auch Zertifikate auf länderübergreifende Indizes gibt, etwa „FTSE.Eurotop-“ oder „Dow Jones STOXX 50-Participations“. Diese Papiere bergen mitunter jedoch zusätzlich ein Währungsrisiko. Denn bei der Preisfeststellung wird der Indexstand nicht in einem festen Verhältnis (z.B. 1:1 oder 1:10) in EUR umgerechnet, sondern tagtäglich zuerst mit dem aktuellen Devisen- oder EUR-Kurs multipliziert.
Die Folge: Eine Abwertung der ausländischen Währung bzw. des US-Dollars führt dei unveränderten Aktienkursen automatisch zu einem Wertrückgang beim Indexzertifikat.

Tipps zum Zertifikatekauf

Ohne Unterschied zu den meisten anderen Wertpapieren kann man auch Partizipationszertifikate an einer Börse kaufen und dort genauso wieder verkaufen. Das verursacht in aller Regel Bankspesen und Maklercourtagen.
Alternativ haben Anleger die Möglichkeit, einen besonderen Service der Emissionshäuser zu nutzen. Denn diese betreiben für gewöhnlich ein Market Making für ihre Titel. Die Spanne zwischen An- und Verkaufskursen wird dabei normalerweise von den Instituten festgeschrieben, sodass im Laufe der Zeit keine Ausweitung zu befürchten ist.
Bei den DAX-Zertifikaten der Commerzbank beispielsweise liegt der Spread immer bei sechs Indexpunkten: Wer bei einem DAX-Stand von 6.000 Punkten Zertifikate von der Bank kaufen will, zahlt 6.003 EUR (Briefkurs). Anleger, die bereits Zertifikate besitzen und die Papiere wieder loswerden wollen, bekommen von der Commerzbank pro Stück hingegen 5.997 EUR (Geldkurs) gutgeschrieben.
Beim Kauf von Indexzertifikaten sollten Anleger besonders darauf achten, wie Dividendenzahlungen behandelt werden. Bei DAX-Zertifikaten etwa „kassiert“ man die Bardividende, wenn der DAX-Performance-Index zugrundeliegt. Ist die Grundlage jedoch der DAX-Kursindex, kommen Zertifikats-Inhaber nicht in den Genuss von Dividenden.

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