europäische zentralbankDie Europäische Zentralbank (EZB) kommt im Verbund mit den Zentralbanken der einzelnen Euroländer die Rolle des Währungshüters zu. Sie soll dafür sorgen, dass die Inflationsrate im Euroraum nicht allzu sehr ansteigt. Als wichtigstes Instrument steht ihr dafür der Leitzins zur Verfügung. Je nachdem, ob die Bundesbank diesen anhebt oder senkt, werden die Bedingungen für die Inanspruchnahme von Krediten durch den Zinssatz erleichtert oder erschwert.

Laut Satzung unabhängig

Ihrem Leitbild zufolge sieht sich die europäische Zentralbank in der Pflicht, die ihr übertragenen Aufgaben gewissenhaft zu erfüllen, für eine Stabilität der Preise in Europa zu sorgen und so den Wert der Währung Euro zu wahren. Laut Satzung ist die EZB von anderen Staaten und Institutionen unabhängig. Ihre Bestimmungen sehen ausdrücklich vor, dass weder sie noch eine nationale Währungsbank und auch keins ihrer Beschlussorgane, bzw. deren Mitglieder, Weisungen von außen entgegennehmen darf.

In jüngster Zeit häufig in die Kritik geraten

In jüngster Zeit ist die europäische Zentralbank mit ihrer Leitzinspolitik häufig in die Kritik geraten. Viele Wirtschafts- und Finanzexperten befürchten, dass die Bank ihre Rolle als unabhängige Institution längst eingebüßt hat. Ein Beleg dafür ist ihre Einbindung in die sogenannte Troika, die sie zusammen mit dem Internationalen Währungsfonds und der EU-Kommission bildet. Diese Rolle lässt die EZB in den Augen vieler Menschen in den sogenannten Krisenländern, die unter den Spar- und Kürzungsauflagen der Troika zu leiden haben, eher als willfähriges Instrument einer Wirtschaftselite denn als Währungshüter erscheinen.

Bei einem Gremium wie der europäischen Zentralbank, das über so weitreichende Befugnisse verfügt, kann es wohl kaum ausbleiben, dass Politiker und andere Entscheidungsträger je nach eigener Interessenlage immer wieder einmal versuchen, Einfluss auf die Währungs- und Leitzinspolitik der Bank zu nehmen. Meist handelt es sich dabei um die Forderung, die Zinsen zu senken, weil damit die Hoffnung verbunden wird, dass billigere Kredite für Investitionen genutzt werden und dies der Wirtschaft im Allgemeinen zugutekommt.

Zunehmend in der Rolle eines Konjunkturhelfers

In den Jahren seit Beginn der Währungs- und Finanzkrise 2008 hat die europäische Zentralbank zunehmend die Rolle eines Konjunkturhelfers für ökonomisch schwächelnde Euroländer übernommen. Zuletzt wurde der für die im Euroraum getätigten Geldgeschäfte relevante Leitzins auf ein Rekordtief gesenkt. Der Zinssatz liegt seither bei 0,15 % und das zugunsten der Banken. Diesen, von der EZB ausgegeben Zinssatz, nennt man auch Refinanzierungszinsatz. Ziel derartiger Zinssenkungen ist die Erleichterung der Kapitalbeschaffung für Investitionen und Ankurbelung der Binnennachfrage in den einzelnen Ländern. Zum rechten Zeitpunkt ausgeübt, kann eine Senkung des Leitzinses entscheidende Impulse für eine Konjunkturbelebung geben. Im umgekehrten Fall sorgt die Anhebung für das Ausbremsen eines ansonsten ungehinderten Geldflusses und trägt so zum Erhalt der Währungsstabilität bei. Damit die jüngste Senkung des Leitzinses von den Nationalbanken an ihre Kunden weitergegeben wird, beschloss der EZB-Rat zum ersten Mal in seiner Geschichte die Einführung eines Strafzinses für Bankeinlagen in Höhe von 0,1 %.

Die Kehrseiten der Niedrigzinspolitik

Die Kehrseite einer derartigen Niedrigzinspolitik ist die sogenannte Kapitalflucht. Anleger, die sich auf Geldmärkten außerhalb der Eurozone höhere Renditen versprechen, ziehen ihr Geld aus dem Euroraum ab, um es beispielsweise in Übersee oder Fernost zu investieren. Eine mögliche Folge ist die Schwächung der Währung Euro, weil diese als Anlage unattraktiv geworden ist und weniger nachgefragt wird. Ein im Wechselkurs gegenüber anderen Währungen (wie z.B. dem US-Dollar) führt wiederum zu einer Verteuerung von Importwaren. Vor allem Rohöl, das an den Börsen vorwiegend in amerikanischen Dollar gehandelt wird, verteuert sich aus diesem Grund, was einen Anstieg der Preise für Benzin und Heizöl zur Folge hat.

Wirtschaft und Währungsstabilität – eine komplexe Materie

Wie komplex die Materie Wirtschaft und Währungsstabilität ist, zeigt sich in dem Umstand, dass exportorientierte Unternehmen es mitunter durchaus begrüßen, wenn die eigene Landeswährung schwächelt. Dies macht die eigenen Produkte für die Kunden anderer Währungsländer günstiger und was deren Absatzchancen enorm verbessert.

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